Paus-Geschäftsführer Franz-Josef und Wolfgang Paus

"Gute Zeit für pfiffige, spezielle Lösungen"

Wolfgang Paus (l.) und Franz-Josef Paus führen die Geschäfte der Hermann Paus Maschinenfabrik.FOTO: WEISSE

Über die Digitalisierung der Branche, Elektro-Motoren, Handelskonflikte und ihren Messeauftritt auf der NordBau sprachen Franz-Josef Paus und Wolfgang Paus, Geschäftsführer der Hermann Paus Maschinenfabrik, mit ABZ-Redakteurin Sonja Weiße.

ABZ: Wie wirkt sich der Boom im Baubereich auf Ihre Geschäfte aus?

Wolfgang Paus: In den Bereichen Baumaschinen und Lifttechnik verzeichnen wir insgesamt ein Wachstum im höheren einstelligen Bereich.

Franz-Josef Paus: Produktivitätszwänge sind gute Zeiten für pfiffige, spezielle Lösungen. Daher wirkt sich der Boom für unser Unternehmen noch positiver aus als für den Durchschnitt der Hersteller. Da zunehmend qualifiziertes Personal fehlt, setzen Bauunternehmer vermehrt auf Technik, um die Produktivität durch spezielle Maschinen zu sichern oder zu verbessern. Und für Speziallösungen sind wir sicherlich einer der ersten Ansprechpartner. Wir sehen, dass die Nachfrage in Bereich der Spezial-Radlader und vor allem Schwenklader steigt.

ABZ: Wird das Wachstum anhalten?

Wolfgang Paus: Das Wachstum wird sich konsolidieren. Ein Einbruch ist nicht zu erwarten. Bei den Baumaschinen wird das Wachstum anhalten, weil Investitionen in die Infrastruktur zunehmen werden. Im öffentlichen Bereich ist sowohl der Bedarf als auch das Geld für Investitionen in die Infrastruktur vorhanden. An der Finanzierung fehlt es nicht, eher an Planungskapazitäten. Die Steuereinnahmen werden daher z. T gehortet, der Bau von Brücken und Straßen wird aufgeschoben. Bei der Lifttechnik wird das Wachstum anhalten, weil die niedrigen Zinsen ein Treiber für den Hochbau sind. Und ich denke nicht, dass die Zinsen steigen werden.

ABZ: Inwiefern sind Sie von Handelskonflikten betroffen?

Wolfgang Paus: Im Bereich Bergbau haben Handelshemmnisse den Export von 2017 bis Anfang 2019 deutlich geprägt. In diesem Bereich exportieren wir zu 80–90 %. Wichtige Märkte sind für uns Russland, Südamerika und Nordamerika. In der zweiten Hälfte dieses Jahres sind jedoch wieder mehr Aufträge eingegangen.

Franz-Josef Paus: Auf die Bereiche Baumaschinen und Lifttechnik haben sich Handelskonflikte weniger ausgewirkt. In diesen Bereichen exportieren wir weniger als im Bereich Bergbau, die Quote liegt in etwa bei 50 %. Und wir exportieren in andere Märkte, hauptsächlich in benachbarte europäische Länder. Denn außerhalb von Zentraleuropa ist die Art von Maschinen, die wir herstellen, nicht weit verbreitet. Dort wird anders gearbeitet als hier. Man verwendet andere Baumaschinen anstatt Knicklader. In weiteren Ländern wiederum ist die Arbeit so günstig und es werden weniger mechanische Hilfen genutzt. Was sich allerdings im Bereich der Baumaschinen zum Beispiel in Russland auswirkt, ist, dass sich der Wert des Rubels halbiert hat. Russische Unternehmen investieren dadurch weniger in Baumaschinen. Auf den Bereich Bergbau wirkt sich dieser Verfall des Rubels dagegen kaum aus. Denn das ist weiterhin ein internationales Geschäft – die Kunden verkaufen ihre Produkte auf den Weltmärkten gegen Devisen.

Wolfgang Paus: Auch wenn wir nicht von direkten Embargos betroffen sind, ist der Export doch deutlich aufwendiger geworden. Russland ist schwierig, die USA sind es auch. Z. B. sind die Dokumentationen und der Zoll komplizierter geworden. Jedes Ersatzteil muss fotografiert werden. Wir haben dafür ein Team neu aufgebaut, das laufend geschult wird. Auch die Türkei ist aktuell ein Thema. Kürzlich standen Maschinen von uns dort wochenlang am Zoll. Da fehlte auf einmal irgendein Zertifikat, das vorher nie jemand brauchte und von dem keiner etwas wusste. Am Ende klappt es dann doch immer, aber früher war das unproblematischer.

ABZ: Sie sind spezialisiert auf Sonderanfertigungen. Welche Wünsche haben Ihre Kunden und warum können Maschinen "von der Stange" diese nicht erfüllen?

Franz-Josef Paus: Wenn ich an eine Baumaschine etwas anbaue, oder etwas umbaue, seien es Zusatzfunktionen in der Hydraulik, Kontrollfunktionen für Anbaugeräte oder Sonderlösungen für Spezialanwendungen im Tiefbau, dann ist die Kombination häufig eine neue Maschine, die den Regeln der Maschinenrichtlinie entsprechen muss. Das neu zu bewerten, erfordert Kompetenz. Bei uns bekommt der Kunde die Konformitätserklärung und kann sich darauf verlassen, dass Kombination und Ausstattung so in Ordnung sind. So sind wir einer der wenigen Hersteller, wenn nicht der Einzige, der an einen Teleskopradlader einen Arbeitskorb anbaut, deren Kombination als selbstfahrende Hubarbeitsbühne gemäß der Normung (EN 280) zertifiziert ist.

Wolfgang Paus: Ein anderes einfaches Beispiel wäre es, eine Kehrmaschine mit einem weiteren hydraulischem Steuerkreis auszustatten. Oder eine Druckluftbremse für den Anhänger in einen normalen Radlader einzubauen, so dass der Kunde damit einen Anhänger auf der Baustelle ziehen kann. Oder auch ein Kardanwellenantrieb (Zapfwelle) für hinten einbauen. So etwas lösen wir für unsere Kunden nach Absprache in eine vorhandene Baukastenstruktur hinein.

ABZ: Wie lange dauert es, eine solche Sonderanfertigung zu entwickeln und zu bauen?

Franz-Josef Paus: Eine typische Projektlaufzeit für Baumaschinen wäre drei Monate. Es ist nie so, dass wir bei Null anfangen. Die Plattform ist zu 70–90 % fertig und wird angepasst. Der Umfang dieser Anpassung bestimmt, wie lange wir brauchen. Allerdings kommt es auf die Lieferzeiten für Komponenten wie Achsen oder Hydraulikzylinder an. Der Beschaffungsmarkt ist gerade etwas schwierig. Aber das ist Teil unserer Kompetenz, trotz aller Widrigkeiten am Beschaffungsmarkt zeitnah liefern zu können. Es zeichnet sich ab, dass die Lieferzeiten gerade etwas kürzer werden.

ABZ: Haben Sie dennoch einen Verkaufsschlager und wenn ja, welcher ist das?

Franz-Josef Paus: Der Schwenklader SL 10.7 ist ziemlich eindeutig unser Bestseller. Zusätzlich zu der einfachen Schwenkfunktion kann er mit vielen Sonderfunktionen ausgerüstet werden, die ihn zu einem Universalgerät machen. Oft nachgefragt wird auch der Teleskopschwenklader TSl 8.7, er ist sozusagen unser "Schweizer Taschenmesser", ein Universalträgergerät.

ABZ: Was werden Sie für Maschinen auf der NordBau zeigen und warum?

Wolfgang Paus: Wir zeigen unsere aktuelle Palette der Baumaschinen und Lifttechnik wie den Anhängerkran PTK 31, die Hubarbeitsbühne "Worklift" GT 16 A und den Schrägaufzug "Easy 24 WH-M. Auch den Schwenklader SL 10.7 und den Teleskopschwenklader TSL 8.7 werden wir mitbringen.

ABZ: Welche Bedeutung hat die NordBau für Sie?

Wolfgang Paus: Die NordBau ist eine interessante Messe, weil sie die Region gut abdeckt. Im bauma-Jahr ist das zwar weniger wichtig als in anderen Jahren. Aber die Abschlüsse sprechen dafür, dort wieder hinzugehen.

ABZ: Als einer der ersten hat ihr Unternehmen bereits 1984 einen elektrisch angetriebenen und von einer 1000 V Oberleitung versorgten 20 t Muldenkipper entwickelt, um Dieselabgase aus den Gruben fernzuhalten. Arbeiten Sie derzeit an weiteren elektrisch betriebenen Modellen?

Franz-Josef Paus: Wir haben stark aufgerüstet, was unsere Planungs- und Entwicklungskapazitäten in diesem Bereich angeht. Bestehende Lösungen würden wir gerne universeller und besser machen. Der Antrieb, den wir für den Bergbaubereich bereits fertig haben, kann auf Baumaschinen adaptiert werden, allerdings nur mit relativ hohen Zusatzkosten. Wir setzen insofern auf Synergien und haben ein Team ins Leben gerufen, das sich damit befasst. Das ist ein relativ leistungsfähiger aber auch aufwendiger Antrieb, der auch seinen Preis hat. Wir sehen uns daher damit nicht im Massenmarkt, eher in Spezialanwendungen. Dann allerdings sind wir technologisch ziemlich weit vorne.

Unser Ziel ist es, dass die Batterie in 0,5–0,75 Std. voll laden sollte und mindestens 4 Std. arbeiten können muss. Der Motor sollte eine Leistung wie ein Dieselmotor erbringen.

ABZ: Wie groß ist die Nachfrage nach elektrischen Antrieben?

Wolfgang Paus: Im Baumaschinensektor derzeit ziemlich überschaubar. Der Nutzen wird vom Kunden nicht gesehen. Das ist ähnlich wie bei den deutlich abgasreduzierten Dieselmotoren. Die Umstellung auf diese Motoren hat uns und alle anderen Unternehmen enorm viel Geld gekostet. Die neuen Motoren sind sehr gut, viel besser als es der Ruf des Diesels ist. Aber sie kosten mehr. Und die Bereitschaft, freiwillig in saubere Luft oder auch in leise Motoren zu investieren ist sehr gering. So ähnlich sehen wir es auch beim Batteriebetrieb. Jeder findet ihn toll, aber keiner will etwas dafür ausgeben. Ich würde mir ein Gesetz wie in der Schweiz wünschen. Dort fährt schon seit Jahren keine Baumaschine ohne Dieselpartikelfilter. In Deutschland dagegen kann man bei Bestandsmaschinen fast "tun und lassen was man will". Es sei denn, man würde eine neue Baumaschine auf die Baustelle bringen. Diese muss den aktuellen Anforderungen dann genügen.

Franz-Josef Paus: Im untertätigen Bergbau ist der Druck größer als im Baumaschinenbereich. Denn durch Dieselmotoren entstehen dort deutlich höhere Kosten. Es muss regelmäßig Frischluft nach unten. Und die Verbrennungswärme muss abgeleitet werden. Anders als im Bergbau werden die Umweltkosten einer Baumaschine nicht umgelegt.

ABZ: Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Elektrifizierung weiter entwickeln?

Franz-Josef Paus: Auf der nächsten bauma werden wir deutlich mehr elektrisch angetriebene Maschinen sehen als in diesem Jahr. Denn das Thema hat auch bei Komponentenherstellern deutlich an Fahrt aufgenommen. Und wenn Standardantriebsstränge zur Verfügung stehen werden, werden auch die Kosten sinken.

ABZ: Herr Franz-Josef Paus, Sie sind seit vergangenem Jahr Vorsitzender des VDMA Fachverbandes Baumaschinen und Baustoffanlagen. Welche Schwerpunktthemen bringen Sie in das Amt ein?

Franz-Josef Paus: Mir geht es bei der Verbandsarbeit darum, gemeinsam etwas zu erreichen. Denn alleine ist man selten wirklich stark. Es ist wichtig, dicke Bretter gemeinsam bohren zu können – oder zumindest zu wissen, dass sie gebohrt werden. Unter anderem setze ich mich für die Gleichbehandlung unterschiedlicher Unternehmensgrößen ein. Die Vielfalt der Unternehmen sollte erhalten bleiben. Es müssen auch die Belange kleiner und mittlerer Unternehmen berücksichtigt werden, nicht nur die der großen Hersteller, denn gerade die kleinen Hersteller haben viele kreative Ideen – das darf nicht durch erzwungene Regulierung verloren gehen. So sind bei der Digitalisierung auch offene Standards wichtig. Es nützt keinem Anwender, wenn Hersteller nur produktinterne Lösungen auszurollen. Wir brauchen herstellerunabhängige offene Plattformen. Um die Herausforderungen der Digitalisierung gemeinsam anzugehen, haben wir im VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen die Arbeitsgemeinschaft "Maschines in Construction – MiC 4.0" gegründet. In dieser Konstruktionsarbeitsgemeinschaft sind größere Hersteller und kleinere Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen vertreten. Das ist ein sehr fruchtbares Biotop.

ABZ: Was ist ihr Rezept gegen den Fachkräftemangel?

Wolfgang Paus: Wir bilden sehr stark selber aus. Wir haben mehr als 10 % Azubis in der Belegschaft. Um die Lehrstellen besetzen zu können, haben wir Projekte mit Schulen, beschicken Ausbildungsmessen und bieten Praktika an.

Franz-Josef Paus: Man muss den Mitarbeitern etwas bieten. Wir haben z. B. die Gleitzeit eingeführt, haben eine Kantine und ein Dienstradleasing-Projekt mit E-Bikes. Wir haben Unternehmensappartments, z. B. für Auszubildende, Studenten, Praktikanten oder auch Vertriebsmitarbeiter. Und unsere Mitarbeiter können sich unsere Maschinen ausleihen und zu Hause nutzen.

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