"Ganz großer Schritt"

Selbstfahrenden Unimog präsentiert

Auf dem Deponiegelände der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern ZAK wurde kürzlich ein autonom fahrender Unimog von Karsten Berns (l.) vom Lehrstuhl für Robotersysteme der Technischen Universität Kaiserslautern und seinem Team vorgestellt.Foto: Reiner Voß/dpa

Kaiserslautern (dpa). – Bis Autos selbstständig auf Straßen fahren können, dauert es noch. Die Forschung bei Nutzfahrzeugen ist hingegen schon weiter. In Kaiserslautern lenkte sich ein Unimog beinahe fehlerfrei selbst durch einen Parcours.

Bei der Forschung nach autonomen Lenksystemen ist Rheinland-Pfalz nach Einschätzung von Wissenschaftsminister Volker Wissing gut aufgestellt. "Das autonome Fahren wird von der ganzen Welt ersehnt und erwartet", sagte der FDP-Politiker bei der Präsentation eines selbstfahrenden Nutzfahrzeugs vor Kurzem in Kaiserslautern. "In Rheinland-Pfalz wird es entwickelt – weil wir ein führender Nutzfahrzeugstandort sind und die Nutzfahrzeuge zuerst autonom fahren werden." Der präsentierte geländegängige Unimog war vom Lehrstuhl Robotersysteme der TU Kaiserslautern mitentwickelt worden.

"Das ist ein ganz großer Schritt", lobte Wissing. Der äußerlich robuste, mit Spitzentechnik gespickte Unimog drehte einige Runden auf dem Areal der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK). Im Schritttempo bewegte sich das mächtige Fahrzeug etwa durch einen Parcours mit zwei Dutzend Kegeln. Nach einer Testfahrt über die unwirtliche Deponie-Landschaft aus Gestein und Schotter kletterte Wissing begeistert aus dem Fahrzeug. "Man erlebt ein Stück Zukunft, und das ist ein großartiges Gefühl. Es liegen enorme Chancen vor uns - wir wollen sie nutzen."

Laut Karsten Berns vom Lehrstuhl Robotersysteme startete das Projekt im August 2016. Die Herausforderung sei, dass das Fahrzeug aus einer Flut von Informationen die richtige Lenkung wähle. Dazu stehen dem Unimog etwa 3D-Laserscanner und GPS zur Verfügung sowie Stereokameras am Kühlergrill.

"Rheinland-Pfalz ist ein führender Standort in der Entwicklung von Zukunftstechnologien", sagte Wissing. "Während andere sich Sorgen um die Zukunft machen, wird sie bei uns gestaltet und entwickelt." Bei Nutzfahrzeugen sei autonomes Fahren bereits Realität, während es bei Autos noch einige Zeit dauern dürfte. "Die Autos müssen sehr sicher sein und viele Tests durchlaufen." Nutzfahrzeuge könnten aber den Weg zeigen. "Wir sind stolz darauf, dass wir sagen können: Wir können mit technologischer Entwicklung die Herausforderung unserer Zeit lösen. Das wird Arbeitsplätze sichern, und das ist ein gutes Signal."

Das autonom fahrende Nutzfahrzeug könnte zum Beispiel bei Naturkatastrophen oder Bränden in unzugänglichem Terrain eingesetzt werden. Das Projekt helfe dabei, Erfahrung zu sammeln, sagte Wissing. "Dies ist der erste Schritt, um Lösungen für den Markt zu entwickeln." Das Projekt wird vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt, unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. "Was wir heute sehen, ist die Realität der Produkte von übermorgen", meinte Wissing.

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