Takeuchi-Generalimporteur Wilhelm Schäfer

"Das Gefühl für eine Maschine bekommt man nicht in einer digitalen Präsentation"

Frank Evers, Geschäftsführer der Wilhelm Schäfer GmbH, sieht das Unternehmen trotz der Pandemie gut aufgestellt.Fotos: Schäfer

Eigentlich wollte die Wilhelm Schäfer GmbH auf der GaLaBau als Takeuchi-Generalimporteur zwei neue Maschinen vorstellen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie fällt das Messe-Erlebnis in diesem Jahr jedoch aus. Warum ein - zeitweise diskutiertes - Alternativangebot für das Mannheimer Unternehmen nicht in Betracht kam, wie die Corona-Krise den Baumaschinenhandel beeinflusst und warum das Unternehmen Ende des Jahres einen neuen Standort beziehen wird, darüber sprach ABZ-Redakteurin Jennifer Schüller mit Frank Evers, Geschäftsführer der Wilhelm Schäfer GmbH, im Interview.

ABZ: Herr Evers, die Corona-Pandemie hat die Welt fest im Griff: Produktions- und Lieferketten sind ins Stocken geraten, Investitionsentscheidungen auf Eis gelegt worden, vielen Messen mussten abgesagt werden oder finden in einem anderem Format statt. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Evers: Da wir unsere Maschinen aus Japan bekommen, hatten wir natürlich große Sorgen, dass die Lieferkette nicht so funktionieren würde wie normal. Aber zurückschauend ist es ziemlich reibungslos für uns abgelaufen. Wir können uns überhaupt nicht beschweren. Hier vor Ort in Europa spürt man allerdings stärker, dass sich Lieferzeiten verändert haben. Aus einer Lieferzeit von acht Wochen wurden zwölf Wochen oder sogar 14 Wochen. Aber selbst das haben wir ordentlich hinbekommen. Dass wir aufgrund der Hochkonjunktur innerhalb der Branche schon gewisse Lagerbestände aufgebaut hatten, um lieferfähig zu sein, hat sich für uns jetzt als ein absoluter Vorteil herausgestellt.

ABZ: Also sind Sie gar nicht in Engpässe geraten?

Evers: Ich würde nicht sagen, dass es gar keine Engpässe gab, aber es gab relativ wenige. Wenn es sich irgendwo bei den Lieferzeiten gestreckt hat, konnten wir es wegpuffern.

ABZ: Sie haben gerade erwähnt, dass sich Lieferzeiten auf bis zu 14 Wochen verlängert haben. Hat sich das mittlerweile wieder normalisiert?

Evers: Beschränkt. Man spürt, dass sich einige Firmen noch in Kurzarbeit befinden und selbst Schwierigkeiten haben, von ihren Lieferanten gewisse Sachen zu bekommen. Meiner Meinung nach hat sich die Situation noch nicht wieder komplett normalisiert.

ABZ: In der Baubranche finden sich aktuell sehr gegensätzliche Einschätzungen darüber, wie sich die Situation auf die Branche auswirkt. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Evers: Man hört in der Tat sehr unterschiedliche Meinungen. Wir sind relativ positiv gestimmt, aber wir haben natürlich keine Glaskugel und können nur sehr schwer einschätzen, was uns 2021 bringen wird. In dieser Hinsicht kann man sich ein bisschen Sorgen machen. In unserer Branche hat man normalerweise eine gewisse Vorlaufzeit von Aufträgen. Das hat sich verändert, sodass kurzfristige Bestellungen reinkommen. Im Gesamtpaket sind die Stückzahlen auch in Ordnung, aber es ist eben fragwürdig, was uns die kommenden Monate und Jahre bringen werden. Genau darin liegt auch die größte Unsicherheit, denn es gab ja noch viele Aufträge aus Vor-Corona-Zeiten. Jetzt ist eben die Frage, welche Entscheidungen zukünftig noch kommen und wie diese die weitere Entwicklung beeinflussen werden. Es ist noch nicht so, dass der Auftragseingang tot ist – überhaupt nicht. Ich bin eigentlich positiv überrascht darüber, wie gut es läuft. Aber normalerweise hätten wir, wie gesagt, etwas mehr Vorlaufzeit. Die hat sich nun verringert. Es kommen immer neue Aufträge rein. Es ist nicht so, dass das Geschäft draußen tot ist und wir nur alte Aufträge abarbeiten. Aber die Sicherheit, die man früher hatte, wo man aufgrund der Auftragslage wusste, was in vier, fünf Monaten kommt, die hat man aktuell nicht mehr.

ABZ: Wie haben sich bei Ihnen ganz konkret Arbeitsabläufe geändert?

Evers: Wir haben alle Mitarbeiter, deren Stellen es erlaubten, ins Home-Office geschickt. Nur noch ein kleines Team hat hier vor Ort im Büro gearbeitet. Und wir haben unsere Lageristen, Monteure undWerkstoffmitarbeiter in einen Zwei-Schicht-Betrieb geschickt, um das Risiko eine Ansteckung zu minimieren. Mittlerweile sind wir zurück auf Normalbetrieb, haben aber natürlich entsprechende Sicherheits-Maßnahmen getroffen.

ABZ: Das heißt, Sie sind noch gar nicht so lange wieder zusammen vor Ort.

Evers: Genau, erst seit ungefähr drei Wochen sind wir alle wieder im Büro. An einigen Änderungen, wie der Möglichkeit, einige Tage von Zuhause zu arbeiten, wollen wir auch in Zukunft festhalten. Aber grundsätzlich ist es einfach schön und wichtig, wieder zusammenzukommen, damit Abstimmungen besser funktionieren. Die Kommunikation ist so auch einfach intensiver. Eine der größten Veränderungen war für uns, dass alle Schulungen abgesagt wurden. Das ist schade, denn diese sind wichtige Kontaktmomente für uns mit unseren Kunden. Da werden wir jetzt auch digital mehr machen, aber grundsätzlich benötigt es in dieser Hinsicht einfach den unmittelbaren menschlichen Kontakt. Videokonferenzen sind sehr fokussiert – was vollkommen in Ordnung ist, aber auf der anderen Seite, kommt, wenn man persönlich zusammen ist, auch mal ein Thema hoch, dass im digitalen Rahmen nicht angesprochen werden würde. Diese persönliche, zwischenmenschliche Komponente bleibt eben schnell auf der Strecke, wenn man sich nur per Videokonferenz sieht.

ABZ: Stichwort digital – Eine Zeitlang hieß es, dass die GaLaBau 2020 auf alternative Weise stattfinden sollte. Daran wollten Sie sich mit Schäfer nicht beteiligen. Warum war das für Sie keine Alternative?

Evers: Der Hintergrund ist einfach der, dass man auf der Messe bei uns auch immer die Möglichkeit hatte, sich die Maschinen nicht nur anzuschauen, sondern sich auch mal draufzusetzen und sie auszuprobieren. Soll heißen, man kam auf eine ganze andere Weise mit der Maschine in Kontakt, als es rein digital möglich ist. Grundsätzlich können Kunden bei uns bereits digital Informationen über die Maschinen einholen, sie sich ansehen und Leistungswerte erfragen, aber dieses Messeerlebnis selbst, wo ich die Chance habe, konzentriert Maschinen zu sehen – auch vom Wettbewerb – und mich draufzusetzen und mit den Leuten vor Ort zu fachsimpeln, das alles ist in der digitalen Form einfach schwierig bis gar nicht möglich.

ABZ:Sie haben sicherlich trotzdem Neuigkeiten, die Sie präsentieren wollten. Wie werden Sie diese nun vorstellen?

Evers: Wir haben es in der Vergangenheit schon so gehalten, dass es zu den neuen Maschinen, die wir vorstellen, eine entsprechende Begleitung in den Printmedien sowie digital durch Banner-Werbung gibt. Das behalten wir bei. Außerdem geht natürlich eine Information an unsere Händler raus. Sie sind ja unsere Hauptzielgruppe, unsere Vertriebspartner. Das heißt, sie werden auch über den Vertrieb informiert und bekommen entsprechende Broschüren an die Hand, um dann auch mit diesen Neuerungen unsere Endkunden direkt adressieren und informieren zu können.

ABZ: Welche Maschinen sind das konkret?

Evers: Wir hatten auf der bauma 2019 von dem Kompaktbagger TB 370, einem 7-Tonner, schon ein Modell vor Ort. Diese Maschine hatte noch einen Mono-Ausleger. Jetzt gibt es aber auch ein Modell mit einem Verstell-Ausleger. Dieser macht in Deutschland in etwa 80 Prozent der Bestellungen aus. Den hätten wir jetzt zum ersten Mal auf einer Messe gezeigt.

Außerdem hat Takeuchi Hüllkreis-Bagger im Programm, die eine 360-Grad-Drehung mit dem Oberwagen schaffen und dabei nur gering über die Ketten herausstehen. Dafür gibt es drei unterschiedliche Modelle in drei Gewichtsklassen von 3,8 bis zu 8 Tonnen. Hier hat das mittlere Modell mit einem Gewicht von 5,7 Tonnen einen Nachfolger bekommen, den TB 257FR (FR = Full Radius). Mit einem Hüllkreis von nur 2580 Millimetern ist der TB 257 FR gerade bei engen Platzverhältnissen ideal. Diese Maschine hätten wir auch auf der GaLaBau dabei gehabt.

ABZ: Aber eine digitale Präsentation der Maschinen online per Stream, wie es gerade viele andere Unternehmen machen, war für Sie keine Option?

Evers: Nein. Wir sehen das ähnlich wie mit den alternativen Messeangeboten. Natürlich fehlt es uns, unseren Kunden, mit Live-Vorführungen auf Messen die Maschinen näher zu bringen. Aber es ist eben etwas anderes, ob ich auf einer Maschine sitze oder jemandem online dabei zuschaue, wie er eine Maschine fährt. Es gibt Features, über die ich lang und breit erzählen kann, wo sich der wirkliche Vorteil aber einfach wesentlich besser und unmittelbarer erschließt, wenn der Kunde es selbst ausprobieren kann.

Die Alternative zu Online-Präsentationen ist für uns eher, Kunden und Händler zu uns einzuladen und in kleineren Gruppen Präsentation abzuhalten. Abgesehen davon haben wir für unsere Händler bereits vor etwa zwei Jahren die "Wilhelm Schäfer Sales"-App geschaffen, die ihnen im Prinzip die Verkaufsinformationen pro Maschine zur Verfügung stellt und da werden diese beiden Maschinen natürlich integriert. Soll heißen, die Händler können auch ohne unsere speziellen Verkaufsschulungen mithilfe der App Kunden über die Maschine informieren und die Highlights in Verkaufsgesprächen herausstellen. Dennoch: praktische Live-Erfahrungen können nicht ersetzt werden.

ABZ: Wie hat sich für Schäfer das Geschäft zuletzt entwickelt?

Evers: Die vergangenen Jahre waren sehr sehr positiv für uns. Produktinnovationen haben dabei für uns eine große Rolle gespielt. Unsere letzte neue 2,5-Tonnen-Maschine haben wir vor etwa zweieinhalb Jahren in den deutschen Markt eingeführt. Das war sehr sehr erfolgreich. Und auch generell können wir uns nicht beschweren. Die Stückzahlen haben sich positiv entwickelt, auch jetzt im Jahr 2020 noch. Wir sind sehr sehr zufrieden. Natürlich haben wir uns im März ein bisschen Sorgen darüber gemacht, was das für uns nun bedeutet. Nicht nur für Schäfer, sondern die ganze Branche und alle Industrien. Ich muss sagen, bis jetzt können wir uns nur freuen über das, was wir miteinander umgesetzt haben. Hoffentlich bleibt es so. Wir sind positiv gestimmt und auch hoffnungsvoll, dass es trotz Corona weiterlaufen wird. Natürlich kann man ein bisschen runterfahren. Das ist an sich auch nicht merkwürdig. Wir haben jetzt schon seit drei, vier Jahren Hochkonjunktur in Deutschland und der Baumaschinenbranche. Wenn man sich die Marktzahlen anguckt, muss man einfach sagen, das ist verrückt, wo bleiben die ganzen Maschinen? Das hat man so normalerweise vielleicht ein oder zwei Jahre. Wir haben das jetzt aber schon das vierte Jahr. Dass mal eine Absenkung kommt, war zu erwarten. Wir glauben aber grundsätzlich, gut aufgestellt zu sein und blicken hoffnungsvoll in die Zukunft.

ABZ: Wo sehen Sie dementsprechend aktuell die größten Herausforderungen für das Geschäft beziehungsweise den Handel mit Baumaschinen?

Evers: Eigentlich sehe ich keine so großen Herausforderungen. Es ist eher die Unsicherheit, die einem zu schaffen macht, weil niemand weiß, wo die Reise hingeht. Momentan können wir einfach nur abwarten und versuchen, dass Beste aus der Situation zu machen und positiv bleiben.

ABZ: Welche Pläne Schäfer für die Zukunft? Sind irgendwelche spezielle Investitionen geplant?

Evers: Vor zwei Jahren haben wir in Heppenheim ein Grundstück gekauft. Aktuell bauen wir dort direkt an der A 5 auf einem 45 000 Quadratmeter großen Gelände ein neues Firmengebäude mit Lager, Werkstatt, Büroflächen und Test-Area. Unser Standort in Mannheim-Sandhofen ist einfach zu klein geworden. Im November soll der Bau fertig werden und im Dezember wollen wir umziehen. Dort werden wir unseren Kunden auch noch eine bessere Erlebniswelt für Takeuchi bieten können. Dies ist derzeit aufgrund von Platzmangel nicht in der Form möglich, wie wir es uns wünschen. Wir freuen uns sehr auf den neuen Standort. Und werden die Eröffnung, wenn es Corona zulässt, 2021 auch feiern. Wir sind unglaublich stolz auf das, was dort aktuell entsteht und das möchten wir mit anderen teilen.

ABZ: Gibt es noch andere spezielle Dinge auf Ihrer To-Do-Liste?

Evers: Ich glaube, was für uns wesentlich ist, ist dass wir guten Kontakt mit Japan unterhalten. Weil man nicht mehr hinfliegen kann oder möchte, wird die Abstimmung natürlich ein bisschen schwieriger. Normalerweise fliegen wir dreimal pro Jahr nach Japan und reden dabei oft über Produktentwicklung. Uns ist unglaublich wichtig, dass wir die Maschinen aus Japan bekommen, die hier in Deutschland auch gebraucht werden. Wir arbeiten seit Jahren intensiv zusammen und das werden wir auch weiterhin tun – deshalb hoffen wir, dass es bald besser wird, denn in dieser Hinsicht macht es einfach Sinn Face-to-Face miteinander zu sprechen.

Ausgewählte Unternehmen

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de